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12. Juni 2014

E-Books und Allokation

Allokation
E-Reading, also das Lesen auf iPad, Kindle & Co, kann zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.

Mehr und mehr lese ich Fachliteratur digital. Die Vorzüge liegen auf der Hand: Ein neues E-Book kann ich innerhalb von Sekunden kaufen und zu lesen beginnen. Eine nahezu unbegrenzte Anzahl von Büchern nehme ich – unbeschwert – überall hin mit. Und die Suchfunktion kann wertvolle Dienste leisten.

Was mich seit langem allerdings ein wenig irritierte: Digital Gelesenes scheinte ich mir weniger gut zu merken als Inhalte eines gedruckten Buches. Ein Tribut an die Schnelllebigkeit unserer digitalen Welt? Wohl eher nicht.

Meine Erklärung geht so: Das Layout von E-Books ist auf jedem Gerät anders, Inhalte passen sich an die Bildschirmbreite an. Was Sie auf dem Smartphone auf Seite 230 gelesen haben, finden Sie auf Ihrem Tablet auf Seite 83. Das gedruckte Buch hingegen liefert eine zusätzliche Information frei Haus mit: nämlich den Ort, wo der Inhalt auf der Seite platziert wurde – und wie er gesetzt wurde.

Sie kennen das Phänomen der Allokation mit Sicherheit auch: Wenn Sie zum Beispiel ein Kochrezept in Ihrer Sammlung nachsehen und wissen, wo Sie beispielsweise nach den Buchteln suchen müssen: vorne, hinten, oben, unten, links, rechts. In Ihrer eigenen Handschrift notiert, auf buntem Papier, aus einem Heft ausgeschnitten, mit Vanillesauceflecken verziert.

Sehen Sie? Alle diese wichtigen Merkanker fallen beim digitalen Buch weg – auf Kosten unserer Gedächtnisleistung. Oder noch pointierter: Wischen verwäscht Wissen.

PS Ich habe die Rückmeldung bekommen, dass die Lektüre dieses Beitrags noch eine weitere Nebenwirkung zutage gefördert hat: den unkontrollierbaren Heißhunger auf Buchteln mit Vanillesauce. Ich bedaure.